Wie reagiere ich auf einen Mahnbescheid ? - Ich halte die Forderung für nicht berechtigt.

Wie reagiere ich auf einen Mahnbescheid ? - Ich halte die Forderung für nicht berechtigt.

Wie verhalte ich mich, wenn mir ein Mahnbescheid zugestellt wird und ich davon ausgehe, dass die Hauptforderung des Mahnbescheides gerechtfertigt ist.

Zum Beispiel wurde schlicht vergessen, die bereits angemahnte Forderung rechtzeitig auszugleichen, oder die dazugehörige Mahnung wurde während eines Urlaubes zugestellt und ich habe es deswegen versäumt, die Forderung auszugleichen.
Solche und ähnliche Situationen führen dazu, dass berechtigte Forderungen vom Forderungsinhaber mit einem gerichtlichen Mahnverfahren beigetrieben werden.

Das Mahnverfahren ist ein vereinfachtes gerichtliches Verfahren, mit dem dem Forderungsinhaber (Gläubiger) die Möglichkeit gegeben werden soll, auf preisgünstigem Wege einen gerichtlichen Zahlungstitel gegen seinen Schuldner zu erwirken. Das Mahnverfahren, auch wenn es von Rechtsanwälten betrieben wird, ist billiger als ein normales Klageverfahren. Es fallen weniger Anwaltskosten an und die Gerichtskosten sind reduziert.

Mahnverfahren - Verfahrensgang
Der Mahnbescheid muss vom Antragssteller mit einem bestimmten Formular beantragt werden. Hierzu gibt es klassische Papierformulare, aber inzwischen auch ein elektronisches Formular das unter www.online-mahnantrag.de  bearbeitet werden kann. Das zuständige Mahngericht prüft den Antrag nur auf formelle Kriterien ab, es hinterfragt also die geltend gemachte Forderung nicht.
Wenn in formeller Hinsicht alles in Ordnung ist, erlässt das Mahngericht auf maschinellem Wege einen Mahnbescheid, dieser wird ausgedruckt und mit Hilfe der Post an den Antragsgegner, also den Schuldner, zugestellt.
Der Schuldner erhält die Aufforderung, die geltend gemachte Forderung zuzüglich hinzugekommener Gerichts- und Anwaltskosten, auszugleichen oder binnen einer Frist von 2 Wochen, gerechnet ab der Zustellung, Widerspruch gegen den Mahnbescheid zu erheben.

Erhebt der Schuldner keinen Widerspruch, ist der Antragssteller nach Ablauf einer Zweiwochenfrist berechtigt, einen sogenannten Vollstreckungsbescheid zu beantragen. Hierzu hat er vom Mahngericht ein entsprechendes weiteres Formular erhalten. Das Mahngericht prüft wieder bestimmte formale Vorraussetzungen, bevor es den Vollstreckungsbescheid erlässt, unter anderem, ob der Schuldner zuvor Widerspruch erhoben hat.

Steht dem Vollstreckungsbescheid nichts entgegen, erlässt das Mahngericht einen Vollstreckungsbescheid und druckt ihn aus. Der Vollstreckungsbescheid wird dann an die Post weitergegeben und von dieser förmlich an den Schuldner zugestellt.

Der Antragssteller erhält ebenfalls eine vollstreckbare Ausfertigung dieses Vollstreckungsbescheides. Mit diesen nun ist er berechtigt, die Zwangsvollstreckung zu betreiben.

Er kann den Vollstreckungsbescheid also dazu nutzen, einen Gerichtsvollzieher damit zu beauftragen, die im Vollstreckungsbescheid festgesetzte Forderung beim Schuldner im Wege der Zwangsvollstreckung herauszuverlangen.

Neben der Zwangsvollstreckung durch den Gerichtsvollzieher können auch Kontopfändungen und – bei Grundstücksbesitzern – Zwangsversteigerungen beantragt werden.

Jürgen Stähler

Kontaktdaten

  • Ringstr. 8
  • 50996
    Köln
  • 0221 / 9353140

Mitgliedschaften


Artikel bewerten
(0 Stimmen)
{myshariff}
1623 mal Gelesen Letzte Änderung am Samstag, 30 Juni 2018 Hinterlassen Sie einen Kommentar

Mehr in dieser Kategorie:


mehr zum Thema

Dr. Norbert Willems Erbrecht

Fachanwalt für Erbrecht und Familienrecht

WhatsApp und die „gefühlte“ Vertraulichkeit

Dr. Carsten Ulbricht hat auf seinem Blog frequently-asked-questions zur Unternehmenskommunikation über WhatsApp zusammengestellt.
Gleich in der Einleitung wird für mich deutlich, um was es geht: WhatsApp hat wegen der Einfachheit und seiner Benutzerfreundlichkeit in kürzester Zeit eine Marktnische im Kommunikationsmarkt erobert, aber auch datenschutzrechtliche Standards außer Acht gelassen.

Was ist schon gerecht ?
in Blog

Gerne wird man als Rechtsanwalt mit der Forderung der Mandanten nach Herbeiführung einer „Gerechtigkeit“ konfrontiert. Damit sind wir aber alle, sowohl Rechtsanwälte als auch Richter schlicht überfordert. Und die Mandanten staunen oft nicht schlecht, wenn ich ihnen erläutere, dass wir selber nicht so recht wissen, was Gerechtigkeit ist.

Rechtschutz-Versicherung für Mieter und Wohnungseigentümer

Natürlich kommt es vor, dass man sich als Rechtsanwalt über Rechtschutzversicherungen ärgert, wenn diese Rechnungen kürzen oder wüste  Beanstandungen haben.
Aber für die meisten Mandanten ist die Rechtschutzversicherung Gold wert, wenn es zu Streitigkeiten kommt.

Kind hat Anspruch auf Identität des anonymen Samenspenders

"Anspruch des Kindes auf Auskunft über Identität des anonymen Samenspenders" - Natürlich werden die Internetblogs und Meldungen jetzt wieder Rekordklickzahlen erreichen. Alleine der Begriff "Samenspender" ist wohl dazu geeignet, tausendfaches Interesse von Juristen, aber auch "interessieret" Laien auf sich zu ziehen.

Stunk in der Wohnungseigentümer versammlung

Viele Wohnungseigentümer sind damit zufrieden, wenn der Verwalter jährlich abrechnet und möglichst keine hohen Nachforderungen stellt. Kommt es aber zu Konflikten zwischen den Eigentümern oder zwischen Eigentümern und Verwalter, sollte man aus taktischen Gründen die Rechte der Beteiligten bei der Eigentümerversammlung kennen.

Sie können einen Kommentar schreiben. Alle mit "*" markierten Felder sind Pflichtfelder

weitere Blogthemen

RING KÖLNER FACHANWÄLTE